25 Jahre Hawerkamp

Liebe Leserinnen und Leser,

Das KultUrGelände Hawerkamp ist seit 25 Jahren ein nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Stadt. Aus diesem Anlass gibt der H31 e.V. eine Broschüre heraus. Sie sind eingeladen, lesend über unser Gelände zu flanieren.


HISTORIE

Geschichte des Hawerkamps

 

Nach 100jähriger Firmengeschichte wurde 1988 Peter Büscher & Sohn, eine auch international tätige Baufirma mit Betonwerken, aufgegeben. Das seit 1919 bestehende Betriebsgelände Am Hawerkamp wurde dann von der eingesetzten Konkursverwaltung an Künstler, Kleinbetriebe, Clubs etc. vermietet. Im Zuge der Neuordnung des Hafengeländes erwarb die Stadt Münster die Liegenschaft mit den darauf befindlichen Gebäuden. Inzwischen hatte sich hier eine beachtenswerte „Szene“ gebildet, die 1993 in einer ersten gemeinsamen Ausstellung mit dem Titel „Werksgelände“ die ansässigen Künstler vorstellte. Für die Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Münster Anfang der 00er Jahre wurde das Gelände zu einem wichtigen Baustein im Bewerbungsportfolio: hier „sorgen kreative und wagemutige Künstler, Gewerbetreibende … für frischen Wind“. Mit dem „Erhaltet den Hawerkamp e.V.“ konnte der Rat der Stadt dann 2004 im Masterplan zur Hafenentwicklung die Sicherung der „Kulturszene Hawerkamp“ auf den Weg bringen, die ab 2006 in Selbstverwaltung besteht und zunächst bis 2015 befristet war. Seit 2013 wird der KAMP durch den neu gegründeten H31e.V. selbstverwaltet, die Überlassung ist inzwischen mit Verlängerungsoptionen bis 2025 gesichert. Noch heute zeigt sich die Geschichte der Firma Büscher & Sohn auf dem Gelände. Der alte Lockschuppen im Herzen des Hawerkamp dient als Veranstaltungsfläche, die Halle B ist fast im Originalzustand erhalten. Betonplatten bilden ein Gebirge und selbst in den Clubs und Ateliers atmet das alte Betonwerk weiter. Diese  Spuren zu erhalten ist eines der Ziele des Vereins. Münster war und ist ein Ort auch der Arbeiter und der Produktion.

STATUS QUO

Der Hawerkamp heute

Der Hawerkamp als Kulturstandort hat seit  25 Jahren seine eigene Geschichte geschrieben. Kunstausstellungen, Konzerte, Clubfestivals, Kunstkurse, legendäre Crossoververanstaltungen, Konzerte in Schrauberwerkstätten, Theater in der alten Werkshalle B und das jährliche EdH-Festival ziehen tausende Besucher an. So wie der Hawerkamp ein Ort des öffentlichen Lebens ist, so ist er auch ein Ort der Arbeit. Mehr als 50 bildende Künstler, sowie Drucker, Schneider, Fahrrad- und Autoschrauber, Handwerksbetriebe, Clubs und Konzertveranstalter, Architekten, Caterer, Verleger, soziokulturelle Vereine, probende Bands und Theatergruppen sind auf dem Gelände tätig. Diese anfänglich eher zufällige Nutzungsvielfalt hat sich bewährt als wesentlich für den Bestand  und die Entwicklung des Geländes, da diese Heterogenität sowohl produktive Reibung als auch umsichtige und gegenseitige Energien und Synergien erzeugt, die einer einfältigen Monotonie widerstehen kann. Ein solches „Biotop“ gibt auch den sich sonst fast regelmäßig einstellenden Gentrifizierungen kaum Chancen. Inzwischen ist der KAMP ein weit über regionale Grenzen bekanntes Gelände. So finden Konzerte und Partys mit internationalen Bands und DJ´s statt. Film und Fernsehteams nutzen die einzigartige Kulisse. In den letzten 5 Jahren Ausstellungsbetrieb kooperierten wir mit dem LWL, der FH, dem Kulturzentrum Cuba, der Westfälischen Wilhelmsuniversität, Kunsthochschulen, verschiedenen berufsbildenden Schulen, freien Theatern, Lebenshilfe e.V., Künstlerkooperativen und Einzelausstellern... Die 2010 eröffnete Ausstellungshalle wird durch die Kuratorengruppe des Vereins betreut. Hier finden von März bis November jährlich mindestens 6 Ausstellungen statt. 

 

Leeratelier | Ausstellungshalle

Die alte fast noch im Original erhaltene Industriehalle B wird als Ausstellungs- und Veranstaltungsort erprobt und soll „sanft“ ausgebaut werden. Sie bietet in Kombination mit der (weißen) Ausstellungshalle erweiterte Kuratorenkonzepte und thematische Fügungen unterschiedlicher Kunstformen. In dem 2013 ausgebauten Leeratelier unterrichten Künstler, proben Theater, finden kleinere Ausstellungen sowie Gesprächsrunden statt. 2015 diente es auch als Logistikzentrum für Teilnehmer der Flurstückoder für ein Bildhauersymposium mit internationalen Gästen. Eingeladen werden auch Kuratoren, die ihre eigenen Konzepte vorstellen und durchführen können.

Kamp-Flimmern | EdH-Festival

2010 gabt es auch die erste Saison  des „Kamp-Flimmern“. Das Open-Air Kino, gemeinsam mit dem „Cinema“ und „moving movies“ organisiert, zeigt mit Beginn der Dämmerung eine von den Zuschauern bestimmte Filmauswahl. Hierzu stellt das am KAMP beheimatete „Deutsche Wurstinstitut“ seinen Institutsgrill und enorme Wurstkenntnis zur Verfügung.  Auch schreibt der Verein seit 2010 ein jährliches Atelierstipendium aus. Angeboten wird die Nutzung eines Ateliers für ein Jahr. Das Stipendium endet mit einer Einzelausstellung. 

All diese Vernetzungen sind uns ein großes  Anliegen. Sie bringen die verschiedensten Menschen, Künste, Disziplinen zusammen.  Auf diese Weise bleibt der KAMP ein sozial und kulturell überraschender und besonderer Ort. Nach 25 Jahren ist der Hawerkamp noch immer ein freier Raum, ein Gewächshaus für Kreative, ein Ort, der nur wenige Einschränkungen verlangt. Im Jubiläumsjahr bot so die „Münsteraner Hängung 2“ noch mehr Künstlergemeinschaften ein Forum, gab es eine internationale Zusammenarbeit von Bildhauern, wurde zum EdH-Fest ein Bandfestival ausgerichtet, wurden Ausstellungen durch unterschiedlichste Kunstformen begleitet.

VERWALTUNG

Selbstverwaltung

Verwaltet wird das KultUrGelände seit Januar 2006 vom „Erhaltet den Hawerkamp e.V.“, der 1999 gegründet wurde, um angesichts einer drohenden Überplanung des Geländes den Erhalt und die Absicherung der Nutzungen durchzusetzen. 2013 übernahm der „Hawerkamp 31 e.V.“ als reiner Mieterverein die Verwaltung. Mit der Stadt Münster besteht ein vom Stadtrat einstimmig beschlossener Miet- und Überlassungsvertrag, der zunächst bis 2025 befristet ist. Die bis dahin lediglich geduldeten Nutzungen wurden in Bauantragsverfahren genehmigt. Der Verein finanziert alle Maßnahmen zum Erhalt des Geländes und der Bausubstanz, der behördlichen Auflagen sowie den erforderlichen und gewünschten Änderungen aus den laufenden Mieteinnahmen und einzelnen Sondereinnahmen wie dem EdH-Fest. Der Erhaltungsaufwand im Sinne der Industriebrache ist aber immens. Ein nicht geringer Teil der Vereinseinnahmen fließt dennoch in künstlerische und kulturelle Aktivitäten, die als wesentliche Vereinsziele gefördert werden. Selbstverwaltung meint aber auch die Verständigung der Mitglieder untereinander, das Abstimmen unterschiedlicher Wünsche und Erfordernisse, das Finden von Lösungen für das Miteinander der diversen Nutzungen. Insofern ist der KAMP auch ein wunderbares soziales Geflecht.

AUSBLICK

Perspektiven

 

In unserem Jubiläumsjahr haben wir mit sehr unterschiedlichen Veranstaltungen ein breites Publikum erreicht.  Um den KAMP als Kulturort weiter zu entwickeln, möchten wir neue Räume erschließen für  temporär anmietbare Arbeitsplätze, Gastateliers für internationale Künstler, eine Kampkantine. So gelänge eine Synthese aus etablierten Hawerkamplern, zeitweisen Mitgliedern und vor Ort arbeitenden Gastkünstlern. Wir wollen Kulturschaffenden in unserer Stadt einen Raum geben, um auch nach ihrem Studium zu bleiben, oder um sich vor ihrem Sprung in die Welt zu erproben. Unser Modell der Selbstverwaltung unter dem Schirm der Stadt bietet den Bürgern einen öffentlichen und offenen Kulturort. Der Verein hat daher der Stadt vorgeschlagen, dass benachbarte Verwaltungsgebäude der Firma Pebüso zu mieten und die Brachfläche für temporäre Kunst und Architektur zu nutzen.  Schon vor der Eröffnung der Ausstellungshalle hatten wir in einer ersten Broschüre geschrieben: „Wir arbeiten daran, einen Hawerkamp zu schaffen, der als kultureller Pfeiler dieser Stadt nicht mehr weg zu denken ist. Eine alternative Kunst- und Kulturszene ist mehr als ein paar günstige Ateliers. Sie ist ein kleiner Schatz. Sie bereichert eine kommunale Kulturlandschaft…“ In diesem Sinne wünschen wir Münster und uns weitere KAMP-Generationen.

Hawerkamp 31 e.V.


Impressum

25 Jahre KultUrGelände Hawerkamp 31, 2015 

Herausgeber und Texte: 

Hawerkamp 31 e.V.

Am Hawerkamp 31

48155 Münster

www.am-hawerkamp.de

Fotografien ©: Rainer Wunderlich, Elke Seppmann, Thomas Prautsch, Kirsten Mühlbach, Thorsten Hartmann, Edgar Kuhlmann, Oliver Klein, Erich Saar, Sabina Raab, Sascha Appelhoff, Anne Kückelhaus, Stephan Kube, Jen Iker, Benedikt Burghoff, Selda Soganci, Kontor Fischer Grafik: Martina Lückener Broschüre: Auflage: 5000


2015 feierte der Hawerkamp sein 25jähriges Bestehen


Programm 2015

Download
25 Jahre Hawerkamp Jahresprogramm 05 07
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Wir danken den Förderern

unseres Kulturprogrammes

2015


Presseartikel



Hallo Münster 03.05.2015
Hallo Münster 03.05.2015
Westfälische Nachrichten 30.05.2015
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Bericht in der Kontur Frühjahr 2015